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NO18 KOMMUNIZIERENDE KÖRPER
Zeichnungen von Arletta Kindermann und Papphabitate von Wolfgang Klee

Kuratiert von Thomas Röske


Die beiden Künstler Kindermann und Klee passen mit ihren hier präsentierten Werken in keine Schublade. Weder lassen sie sich einer zeitgenössischen Kunstströmung zuordnen, noch der Outsider Art.
Gemeinsam ist ihnen das Moment des Grotesken im Sinne einer verzerrten figurativen Darstellung, die zugleich karikierend und unheimlich wirkt.

Die in Meldorf lebende Arletta Kindermann arbeitet nach gründlicher Ausbildung an der Danziger Akademie seit langem in Deutschland als klassizistisch-figurative Bildhauerin. Ihr bekanntestes Werk
ist die Nachschöpfung der überlebensgroßen Quadriga auf der rekonstruierten Außenhaut des Braunschweiger Schlosses. Neben diesem öffentlichen Œuvre entsteht ein geheimes aus hunderten von genau
der Bildfläche. Die erotisierte Enge der geballten Körperlichkeit kommt dem Betrachter geradezu bedrohlich nahe, als steckte er mit diesen Wesen, die sich über ihn lustig zu machen scheinen, in
einer ausweglosen engen Höhle. In letzter Zeit arbeitet sie an einer unendlichen Bildreihung, die mittlerweile schon aus mehr als 1000 Einzelblättern besteht. Die Bilderfindungen haben Vorläufer
bei Bosch, Brueghel und Leonardo, sind aber mit Mitteln klassischer Helldunkel-Modellierung gestaltet und wirken dadurch zeitlos. Kindermanns Zeichnungen sind gewissermaßen die Nachtseite ihres
plastischen Werks.

Der Frankfurter Wolfgang Klee fertigt schon längere Zeit Reliefs aus Pappe, vorwiegend Modelle für Bühnenbilder. Seit er 2006 in eine kleine Zweizimmer-Wohnung aus den 1960er Jahren gezogen ist,
entwickelt er „Papphabitate“, Kartonkonstruktionen zum Hängen oder Stehen, die Einblicke in enge Räume geben, mit Vorliebe auf mehreren Etagen. Das Mobiliar besteht aus Tischen, Hockern, Schränken,
Betten und Särgen, statt Türen und Fenstern gibt es oft nur kleine Öffnungen in den Wänden. Grotesk wirken die männlichen und geschlechtsneutralen Wesen, die hier mit ausdruckslosen Gesichtern sitzen,
stehen und liegen, während andere mechanischen Tätigkeiten nachgehen. Langeweile und das Gefühl von Ausweglosigkeit scheinen bei ihnen vorzuherrschen, verblüffend lustlos mutet ihr Tun an, auch wenn es
um visuelle oder körperliche Kommunikation geht. Manche nackten Gestalten zeigen einander ihre erigiert vor ihnen liegenden Geschlechtsteile oder beobachten voyeuristisch ein Geschehen. Andere dringen
auf und in Körper ein, mit Werkzeugen, Knüppeln und Spritzen, ihren Penissen, Zungen oder verschiedenen Körperausscheidungen. Die Empfänger erdulden diese aggressiven Akte klaglos oder werden von Kumpanen
der Aktiven sogar dazu gezwungen. Gewalt wird lapidar, wie etwas Unvermeidliches ausgeübt und erlitten. Mit schwarzem Humor üben Klees Papphabitate Kritik an Konsumsucht und Ausbeutung.

PD Dr. phil. Thomas Röske (*1962) ist seit November 2002 Leiter der Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und arbeitet immer wieder als freier Ausstellungskurator für
verschiedene Institutionen. Er gibt regelmäßig Lehrveranstaltungen am Zentrum für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg und ab 2016 auch am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität
Frankfurt. Seit April 2013 ist er Präsident der European Outsider Art Association (EOA).

Ausstellung: 19. November – 20. Dezember 2015
Eröffnung: 18. November 2015, 19 Uhr

Veranstaltung:

PERFORMATIVES GESPRÄCH
Mit Thomas Röske und Wolfgang Klee
2. Dezember 2015, 19 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung von: